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In der vergangenen Woche stellte AVM mit dem FRITZ!Smart Energy 250 einen Stromsensor vor, der die aktuellen Verbrauchsdaten des digitalen Stromzählers ablesen und in die Smart-Home-Oberfläche von AVM liefern kann. Wir haben uns den FRITZ!Smart Energy 250 bereits angeschaut und versucht nachzuvollziehen, ob sich damit Stromfresser identifizieren lassen und Strom sparen lässt.
Der FRITZ!Smart Energy 250 nutzt die Infratorschnittstelle des digitalen Stromzählers. Es müssen also einige Grundvoraussetzungen erfüllt sein, damit der Stromsensor eingesetzt werden kann. Zudem sollte man sich überlegen, wozu man den FRITZ!Smart Energy 250 überhaupt einsetzen möchte.
Der Stromzähler muss zugänglich sein und sich in Funkreichweite der FRITZ!Box befinden. Der FRITZ!Smart Energy 250 verbindet sich mit der FRITZ!Box via DECT. Die Reichweite beträgt je nach Umgebungsbedingungen bis zu 40 m. Bei Bedarf kann auch ein FRITZ!DECT Repeater 100 oder FRITZ!Smart Gateway zwischen Stromzähler und FRITZ!Box eingesetzt werden, um die DECT-Reichweite zu erweitern. Zudem führt AVM auf einer Seite alle bisher inkompatiblen Stromzähler auf. Ist der eigene Stromzähler darunter, kann der Stromsensor nicht eingesetzt werden. Alle alten Ferraris-Zähler fallen natürlich ebenfalls raus.
AVM liefert den FRITZ!Smart Energy 250 mit vorinstallierten AA-Baterien aus. Diese sorgen für die Stromversorgung des Stromsensors. Alternative lässt sich dieser auch per USB-C mit Strom versorgen. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn sich im Sicherungsschrank eine Steckdose befindet, die hin und wieder zur Ausstattung gehört.
Bevor wir aber zur Inbetriebnahme kommen, ein paar Worte zur Hardware:
Der FRITZ!Smart Energy 250 kommt auf Abmessungen von etwa 34 x 76,5 x 36 mm und wiegt mit Batterien 94,2 g. Am Stromzähler befestigt wird der Stromsensor magnetisch. Die Messstellenbetreiber bzw. Hersteller der Stromzähler setzen auf eine Magnetring rund um die optischen Diode am Zähler, an dem auch die Techniker im Zweifelsfall ihre Auslesehardware anbringen.
Diese optische Schnittstelle wird aber nicht nur vom Messstellenbetreiber verwendet, sondern auch von bereits erhältlichen Stromsensoren, wie sie für dynamische Stromtarife verwendet werden. Die intelligenten Stromzähler liefern allerlei Informationen, die ausgelesen werden können. Dazu muss diese aber per Pin freigeschaltet werden – dazu kommen wir gleich.
Bevor man den FRITZ!Smart Energy 250 in Betrieb nehmen kann, muss beim Messstellenbetreiber die Pin zum Stromzähler erfragt werden. Dabei handelt es sich um eine vierstellige Pin, die herausgegeben werden muss. Eingegeben wird die Pin über die optische Schnittstelle des Zählers. Je nach Zähler ist dies über eine recht einfache Eingabe der Pin in Form von Lichtimpulsen möglich. Längere und kürzere Lichtimpulse ermöglichen die Navigation durch das Menü des Stromzählers. LED-Lampen im Raum und LED-Taschenlampen können zu Problemen bei der Eingabe der Pin führen. So mussten wir am von uns verwendeten Zähler von EMH Metering (eHZB-W22E8-0LHPG-D6-A5Q1) das Abspeichern der Pin bzw. Deaktivieren der Pin-Abfrage mittels Glühbirnen-Taschenlampe durchführen, da die LED-Taschenlampe dazu führte, dass die Ansteuerung der LEDs in Form einer gewissen Frequenz als Eingabe eines Werts interpretiert wurde. Es gibt zahlreiche Videos im Internet, welche die Eingabe der PIN erläutern.
Wird auf dem Display des Stromzählers dauerhaft der aktuelle Stromverbrauch angezeigt, kann der FRITZ!Smart Energy 250 installiert werden. Dies erfolgt über den integrierten Magneten direkt über der optischen Schnittstelle.
Die Verbindung zwischen dem Stromsensor und der FRITZ!Box erfolgt per DECT-ULE. Die Kopplung ist einfach über das Drücken der Connect-Taste auf dem FRITZ!Smart Energy 250 und der FRITZ!Box möglich. Alternativ kann man diese auch über die Weboberfläche der FRITZ!Box anwerfen.
Nach erfolgreicher Kopplung wird der FRITZ!Smart Energy 250 als Smart-Home-Komponente in der Weboberfläche der FRITZ!Box angezeigt und kann hier angesteuert werden. Auch eventuelle Software-Updates können hier gestartet werden, normalerweise werden diese aber automatisch ausgeführt. Zudem zeigt der Sensor den Batteriestand an, sodass ein notwendiger Wechsel bereits erfolgen kann, bevor keinerlei Daten mehr übertragen werden. Wird der FRITZ!Smart Energy 250 über USB-C extern versorgt, entfällt dies natürlich.
Ausgelesen werden der aktuelle Stromverbrauch im Minutentakt, die Spannung und natürlich die verbrauchte Energie in Form von Kilowattstunden. Auch Min- und Max-Wete für die Leistung werden aufgeführt und zudem die Stromstärke. Aus Stromstärke und Spannung ergibt sich die Leistung. Alle dies sind Beispiele für die Art von Informationen, die ein Stromzähler zur Verfügung stellen kann.
Einen kleinen Kritikpunkt haben wir an der Darstellung der Leistungswerte: Hier kann in der Weboberfläche für zehn Minuten oder eine Stunde eine Rückschau erfolgen. Wenn man also bestimmte Verbraucher in der Leistung im Auge behalten will, kann man nur bis zu 60 Minuten zurückgehen und diese identifizieren.
Etwas umfangreicher ist die Auswertung der Gesamtenergie. Hier kann über die letzten 24 Stunden, tageweise eine Woche, wochenweise einen Monat und monatweise zwei Jahre zurückgeschaut werden und die entsprechenden Verbrauchswerte werden angezeigt. Neben der Anzeige für die Kilowattstunden (kWh) kann dies bei Eingabe des Preises (Euro/kWh) direkt in die jeweiligen Kosten übertragen werden. Zudem liefern die Stromanbieter tagesaktuelle Werte über den CO2-Anteil des Stroms und somit ließe sich auch der CO2-Verbrauch umrechnen. Pauschal sind solche Angaben aber mit Vorsicht zu genießen, da der Strommix nicht einheitlich festzulegen ist. Das grüne Gewissen sollte man sich darüber jedenfalls nicht schönreden.
Die Kosten lassen sich über einen vom Nutzer festgelegten Zeitraum auch noch einmal manuell erfassen (über einen Zeitraum von 24 Stunden) und eine Prognose auf Basis der vorliegenden Daten nennt den Verbrauch und die Kosten für einen Tag, Monat und Jahr.
Über die Smart-Home-App von AVM können die Daten ebenfalls ausgelesen werden. Hier erfolgt die Darstellung in einer leicht anderen Art und Weise und mit weniger Detailtiefe. So wird die aktuelle Leistung nur über die letzten 60 Minuten angezeigt und bei der Gesamtenergie kann nur rückblickend auf einen Monat oder ein Jahr eine Auswertung stattfinden. Warum AVM hier nicht auch noch den Platz für eine Schaltfläche für den Tag gefunden hat, ist uns nicht ersichtlich.
Über den kostenlosen MyFRITZ!Net-Dienst sind die Daten ebenfalls abrufbar. Hier stehen die Daten zu einem Tag, einer Woche, einem Monat, einem Jahr und einem frei einstellbaren Zeitraum zur Verfügung. Man will nach eigenen Angaben die Software aber stetig verbessern und schrittweise Ergänzen in der Darstellung vornehmen. Etwas mehr Konsistenz in der Auswahl der Zeiträume über die verschiedenen Plattformen hinweg wäre schon ein guter erster Schritt.
Mehr Datenkontrolle via Home Assistant
Hier in den Zeiträumen etwas flexibler zu sein, wäre sicherlich sinnvoll, aber es gibt ja auch Wege um AVMs Auswertung herum und diese haben wir auch eingeschlagen. Der Autor des Artikels betreibt eine PV-Anlage und hier findet die Auswertung über Home Assistant statt. Eine umfangreiche Diskussion rund um das Vorhandensein chinesischer Komponenten und der Anbindung an die Cloud wollen wir an dieser Stelle überspringen. Es dürfte jedem bewusst sein, dass eine gewisse Kontrolle der eigenen Daten von Vorteil ist. Home Assistant bietet an dieser Stelle aber auch noch weit mehr, da zahlreiche Smart-Home-Schnittstellen der verschiedenen Hersteller zusammengefasst werden können.
Jedenfalls besteht die Möglichkeit, mehrere Entitäten des FRITZ!Smart Energy 250 in Smart Home zu überführen: Dies wären der aktuelle Zählerstand, die Leistung, die Stromstärke, die Spannung sowie der Batteriestand des Stromsensors.
Über die Anfrage und Speicherung der Daten im Minutentakt kann die Leistung so über einen größeren Zeitraum betrachtet werden. Es ist nur ein Beispiel von vielen, wie die bereits zur Verfügung stehenden Daten besser genutzt werden können. AVM hat sich für gewisse Einschränkungen in der Auswertung entschieden – wohl auch um den Nutzer nicht mit zu vielen Daten zu überfrachten.
Ein (vorläufiges) Fazit
Wohl wichtigstes Ziel des FRITZ!Smart Energy 250 ist es, dem Verbraucher ein besseres Gefühl für den eigenen Stromverbrauch zu verschaffen. Die meisten beschäftigen sich nur einmal im Jahr mit ihren Stromkosten – dann, wenn die Jahresrechnung im Briefkasten gelandet ist. Welche dauerhaften Verbräuche im Haushalt schlummern, was ein Durchgang der Spül- oder Waschmaschine an Strom kostet und vieles mehr, das wissen nur die wenigsten. Über Zwischenstecker lassen sich einzelne Stromfresser und Standby-Verbraucher sicherlich gut identifizieren, eine Gesamtüberblick bekommt man damit aber nicht.
Nun ließe sich der Verbrauch des gesamten Haushalts auch über den Einbau beispielsweise eines Shelly Pro 3EM im Sicherungskasten ermitteln, dazu ist aber wiederum ein Elektriker notwendig. Wer eine PV-Anlage oder ein Balkonkraftwerk mit Speicher und Smart Meter verwendet, bekommt die Gesamtverbräuche in einem gewissen Takt hier angezeigt. Im Zweifel verpasst man bei einer Taktung von 10 Minuten aber gewisse Spitzenverbräuche, was im Minutentakt wie beim FRITZ!Smart Energy 250 nicht der Fall ist. Zudem gilt für das Smart Meter: Auch hier muss ein Elektriker die Installation übernehmen.
Neben dem Erkennen des eigenen Verbrauchs ermöglicht es der FRITZ!Smart Energy 250 auch zu sehen, wie viel Strom eingespeist wird. Betreiber einer PV-Anlage können diese auch anderweitig auslesen, wer aber ein Balkonkraftwerk ohne Speicher betreibt, gibt Überschüsse in das Netz und wird dafür nicht vergütet. An der nicht vorhandenen Vergütung ändert dann auch der Stromsensor nichts, aber auch hier kann ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie viel des eigens produzierten Stroms nutze ich denn selbst und wie viel gebe ich in das Netz.
Der Reiz des FRITZ!Smart Energy 250 besteht darin, dass an vielen Haushaltsanschlüssen bereits ein Stromzähler vorhanden ist, der die notwendigen Voraussetzungen für einen Stromsensor wie den FRITZ!Smart Energy 250 erfüllt. Die größte Hürde in der Inbetriebnahme ist die Auseinandersetzung mit dem Messstellenbetreiber um die Pin des Stromzählers zu bekommen sowie die Eingabe der Pin selbst über die optische Schnittstelle. Nach ein paar Versuchen sollte aber auch dies möglich sein. Die Anbindung des FRITZ!Smart Energy 250 an die FRITZ!Box per DECT ist schnell und einfach umgesetzt. Die Daten landen in der Folge in den zahlreichen Smart-Home-Plattformen von AVM.
Ein Bewusstsein für den eigenen Stromverbrauch zu schaffen ist die vornehmliche Aufgabe des FRITZ!Smart Energy 250. Netter Nebeneffekt ist, dass zum Ablesen des Zählerstands kein Ganz zum Zählerschrank mehr notwendig ist. Allerdings scheint der Stromzähler über diese Schnittstelle nur den Strombezug (1.8.0-Wert) auszugeben. Was der Besitzer einer PV-Anlage ins Netz einspeist (2.8.0-Wert), zeigt der Stromzähler im Display an und sollte ebenfalls per Schnittstelle ausgegeben werden können. Ein eventuell am Stromzähler angebrachtes intelligentes Messsystem (iMSys) des Messstellenbetreibers liefert diesen Wert ja auch weiter.
Es gibt hier also noch viel Potenzial für eine weiteren Ausbau und es spricht ja nichts dagegen, dass der FRITZ!Smart Energy 250 in seinem Funktionsumfang weiter ausgebaut wird. Wir sind gespannt, in welcher Form AVM hier eine Weiterentwicklung vornehmen wird und sei es nur im Bereich der Datenauswertung.
Wer den Einsatz eines dynamischen Stromtarifs plant, kann den FRITZ!Smart Energy 250 nicht dazu verwenden. Der Stromsensor kann zwar die Momentanleistung erfassen, ist jedoch nicht für die Nutzung mit dynamischen Stromtarifen wie von zum Beispiel Tibber geeignet. Die Anbieter stellen hier eigene Hardware zur Verfügung, die dann an der optischen Schnittstelle angebracht werden muss. Auch für eine Nulleinspeisung ist der FRITZ!Smart Energy 250 nicht geeignet, da hierzu sekundengenaue Messwerte benötigt werden. Die vom Stromsensor ausgelesenen Werte kommen jedoch erst mit kurzer Verzögerung bei der FRITZ!Box an.
Der FRITZ!Smart Energy 250 ist eine interessante Ergänzung für das Smart Home, wenn der Stromverbrauch stärker ins Bewusstsein gerückt ist. Natürlich lassen sich damit auch stromsparende Maßnahmen entwickeln bzw. gewisse Verbraucher ermitteln, bis man die Anschaffungskosten von aktuell 89 Euro in Form von Stromkosten wieder eingespart hat, dürfte aber einige Zeit vergehen. Zur Akkulaufzeit des FRITZ!Smart Energy 250 über zwei AA-Batterien können wir wegen des kurzen Testzeitraums nichts sagen. Nach etwa sieben Tagen Betrieb meldete der Stromsensor aber noch immer einen Batteriezustand von 100 %.
- einfache Installation und Inbetriebnahme
- Anbindung per DECT an die FRITZ!Box
- schafft ein besseres Bewusstsein für den Stromverbrauch
- Batterie- und Netzbetrieb möglich
- Pin-Anfrage am Stromzähler zuvor notwendig
- inkonsistente Zeiträume in der Auswertung zwischen den AVM-Plattformen
- relativ hohe Anschaffungskosten